Klug beleuchten: Gesundheit, Sicherheit und Natur im Gleichgewicht
Viele betrachten Beleuchtung als Garantin für Sicherheit und Lebensqualität und könnten daher Massnahmen zu deren Reduzierung ablehnen. Technische Anpassungen könnten die Natur schonen und zugleich auf breite Akzeptanz in der Bevölkerung zählen.
VON SOLÈNE GUENAT UND NICOLE BAUER
Künstliche Beleuchtung hat ihren Preis – auch für die öffentliche Gesundheit. Dennoch bleibt die Nachfrage nach Licht in der Nacht hoch: Viele Menschen fühlen sich in einer beleuchteten Umgebung sicherer, und Licht verlängert die verfügbare Zeit für soziale und wirtschaftliche Aktivitäten. Wir haben nach Lösungen gesucht, um die negativen Auswirkungen von künstlichem Licht zu vermindern und zugleich seine Vorteile zu wahren.
Bevölkerung steht hinter gewissen Massnahmen
Auf nationaler Ebene braucht es nach wie vor Informationskampagnen, vor allem um das Bewusstsein für die gesundheitlichen Vorteile der nächtlichen Dunkelheit zu stärken. Eine Umfrage hat gezeigt, dass die Bevölkerung sich der negativen Auswirkungen von künstlichem Licht auf die nächtliche Biodiversität bewusst ist. Hingegen erkennt nur eine Minderheit die Auswirkungen auf die Gesundheit – von Schlafstörungen bis hin zu einem erhöhten Krebsrisiko und einer höheren Wahrscheinlichkeit von Suizidgedanken. Besonders interessant: Eine Mehrheit hält das derzeitige Niveau der Beleuchtung für zufriedenstellend.
Die Befragten zeigen sich mehrheitlich motiviert, Massnahmen zur Reduktion von künstlichem Licht umzusetzen, um den Energieverbrauch zu senken und die Biodiversität positiv zu beeinflussen. Vier von fünf Personen sind bereit, technische Verbesserungen zu unterstützen – sofern diese zu keinen Mehrkosten führen. Ein vielversprechender Ansatz ist die Installation von Bewegungsmeldern: Diese Massnahme unterstützen 83 Prozent der Befragten.
Eine weitere technische Verbesserung betrifft die Farbe der Strassenbeleuchtung: Sie wird zunehmend durch kaltweisse LED-Lampen ersetzt, die zwar energiesparender sind, aber im Verdacht stehen, der nächtlichen Biodiversität mehr zu schaden. Es gibt jedoch auch warmweisse LEDs: Sie verbrauchen zwar etwas mehr Energie als kaltweisse LEDs, aber immer noch deutlich weniger als die früher verwendeten Natriumdampflampen. Bei einem Versuch in Richterswil (ZH) fand die warmweisse LED-Beleuchtung aufgrund ihrer angenehmen, warmen und vertrauten Wirkung mehr Zuspruch. Das Kaltweiss wurde hingegen als zu hell, kalt oder blendend bewertet. Der Entscheid für eine warmweisse Strassenbeleuchtung könnte also auch aus ästhetischer Sicht attraktiv sein.
Die Frage der Sicherheit
Das Gefühl der Sicherheit bleibt das wichtigste Argument gegen eine Reduktion der städtischen Beleuchtung. Eine Mehrheit der Befragten spricht sich gegen das Ausschalten der Strassenbeleuchtung aus – vor allem in Wohngebieten. Licht ist aber nicht immer gleichbedeutend mit Sicherheit. Unsere Umfrage zeigt, dass das Sicherheitsgefühl in der Schweiz insgesamt hoch ist.
Entlang von Strassen hat die Farbe der Beleuchtung keinen Einfluss auf das Sicherheitsgefühl. Folglich dürften andere Faktoren im Zusammenhang mit der Gestaltung von Städten wichtiger sein, was den Weg für Versuche zur Reduktion der Lichtintensität in den am hellsten beleuchteten Bereichen ebnet.
WIN-WIN-Lösung
Die Untersuchungen zeigen: Für die Vereinbarkeit der Bedürfnisse von Biodiversität und Gesellschaft ist es grundlegend, die Vorteile von Massnahmen zum Schutz der Dunkelheit für die Gesundheit besser zu kommunizieren. Technische Anpassungen der Strassenbeleuchtung, die sowohl für die menschliche Gesundheit als auch für die Biodiversität von Vorteil sind, werden von der Bevölkerung mit hoher Wahrscheinlichkeit gut akzeptiert.
Solène Guenat und Nicole Bauer sind im Bereich der sozialwissenschaftlichen Landschaftsforschung an der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL tätig. Ihre Forschung zum künstlichen Licht bei Nacht ist Teil des Projekts ALANeX, das durch das Programm «EXtremes» der WSL finanziert wird.
Kontakt: ,
Fokus dieser HOTSPOT-Ausgabe
- Editorial
- Künstliches Licht bei Nacht verändert unsere Welt
- Das versteckte Leben der Nachtfalter
- Eine politisch-ökologische Perspektive auf Lichtlandschaften
- Ökologische Auswirkungen künstlicher Beleuchtung
- «Nachtdunkelheit für Ruhe und Erholung»
- Lichtemissionen im Umweltrecht
- Ökologische Bewertung von LED-Eigenschaften
- Nachts erhellt – tags verarmt
- Dunkelheit: Eine wichtige Ebene der Ökologischen Infrastruktur
- Die Grafik zur Biodiversität

