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Die Zeitschrift des Forums Biodiversität widmet sich aktuellen Themen rund um die Biodiversität, welche Forschende und Fachleute aus Verwaltung und Praxis beleuchten. Zweimal jährlich erscheint eine neue Ausgabe in Deutsch und Französisch.

Bild: C.Schüssler, stock.adobe.com

Städtische Teiche für Menschen und Natur

Teiche im urbanen Raum haben ein grosses Potenzial zur Förderung der biologischen Vielfalt in der Stadt. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, ökologische und gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen, etwa den Wärmeinseleffekt und das Hochwasserrisiko. Forschende haben fünf Ökosystemleistungen identifiziert, die solche Gewässer in Städten bieten.

VON AURÉLIE BOISSEZON UND ADRIENNE SORDET

Teiche sind stehende Gewässer mit einer Fläche von 1 m2 bis 5 ha und einer Tiefe von bis zu 5 m, die natürlichen oder künstlichen Ursprungs sind. Im Siedlungsraum können sie in den Wasserkreislauf integriert werden und eine aktive Rolle bei der Wasserrückhaltung spielen. Sie tragen dort dazu bei, den Abfluss von Regenwasser in städtischen Gebieten zu verlangsamen und zu absorbieren und so Hochwasserspitzen zu dämpfen. Sie sind deshalb Teil der naturbasierten Lösungen und helfen mit, eine Stadt in eine Schwammstadt zu verwandeln.

Neben dieser Rückhaltefunktion können städtische Teiche auch zur Reinigung des Wassers (Regenwasser, Dachwasser usw.) beitragen, das im städtischen Einzugsgebiet zirkuliert. Verschiedene natürliche physikalisch-chemische Prozesse sowie die Vegetation und die Mikroorganismen, die darin leben, verbessern die Qualität des Wassers, das danach in das städtische Wassernetz gelangt. Weitere chemische Prozesse wie der Gasaustausch an der Oberfläche der Teiche sind zurzeit Gegenstand von Untersuchungen, und es sieht so aus, als ob Teiche als Kohlenstoffsenken dienen könnten.

Städtische Teiche halten Wasser zurück und tragen zum Wohlbefinden der Bevölkerung bei. Sie sind zudem attraktive Treffpunkte und fördern den sozialen Zusammenhalt in einem Quartier.
Städtische Teiche halten Wasser zurück und tragen zum Wohlbefinden der Bevölkerung bei. Sie sind zudem attraktive Treffpunkte und fördern den sozialen Zusammenhalt in einem Quartier.Bild: Julie Fahy, HEPIA
Städtische Teiche halten Wasser zurück und tragen zum Wohlbefinden der Bevölkerung bei. Sie sind zudem attraktive Treffpunkte und fördern den sozialen Zusammenhalt in einem Quartier.
Städtische Teiche halten Wasser zurück und tragen zum Wohlbefinden der Bevölkerung bei. Sie sind zudem attraktive Treffpunkte und fördern den sozialen Zusammenhalt in einem Quartier.Bild: Julie Fahy, HEPIA

Hotspot der Biodiversität
Städtische Teiche spielen eine wichtige Rolle für die Biodiversität in der Stadt, da sie Lebensraum, Zufluchtsort oder Futterplatz für zahlreiche Arten von Wirbellosen, Fischen, Amphibien, Reptilien, Vögeln und Säugetieren sind. Auch wenn jeder Teich eine andere Typologie aufweist und unterschiedliche Arten beherbergt: Sie alle stärken die blaue Infrastruktur (das Netzwerk der aquatischen Lebensräume) in der Stadt.

Die Anzahl der Teiche, die Verbindung zwischen diesen Wasserlebensräumen und ihre Gestaltung sind entscheidend für die Förderung der lokalen Biodiversität. «Gut» angelegte städtische Teiche beherbergen kaum Mücken, aber sie sind anfällig für invasive Arten und erfordern besondere Aufmerksamkeit in Bezug auf Pflege und Management.

Teiche tragen auch zum Wohlbefinden der Bevölkerung bei, indem sie ein erfrischendes Mikroklima schaffen, vor allem wenn sie mit einem Brunnen ausgestattet sind (Nebeleffekt) und man sich dem Wasser nähern kann (Steg, Plattform). Zudem sind sie ein attraktiver Treffpunkt und tragen zum sozialen Zusammenhalt eines Quartiers bei. So gaben bei einer in Genf durchgeführten Studie über zwei Drittel der Befragten an, dass Teiche einen hohen bis sehr hohen Beitrag zu ihrer Lebensqualität leisten (Vasco et al. 2024).

Städtische Teiche spielen eine wichtige Rolle für die Biodiversität in der Stadt, beispielsweise für Libellen.
Städtische Teiche spielen eine wichtige Rolle für die Biodiversität in der Stadt, beispielsweise für Libellen.Bild: Julie Fahy, HEPIA
Städtische Teiche spielen eine wichtige Rolle für die Biodiversität in der Stadt, beispielsweise für Libellen.
Städtische Teiche spielen eine wichtige Rolle für die Biodiversität in der Stadt, beispielsweise für Libellen.Bild: Julie Fahy, HEPIA

Enormes ungenutztes Potenzial
Zwar sind Teiche in fast jeder grösseren Stadt zu finden, aber ihre Dichte ist meist ziemlich gering. Die Schaffung neuer Teiche ist möglich und angesichts der vielen damit verbundenen Ökosystemleistungen auch wünschenswert. Allerdings sind die im städtischen Gefüge vorhandenen Gewässer oft für eine einzige Funktion eingerichtet (Oertli et al. 2023). Hier liegt also ein enormes Potenzial brach: Diese bestehenden Teiche könnten durch geeignete, oft kostengünstige Massnahmen einfach optimiert und multifunktional gestaltet werden.

Die Stadt Genf ist im Bereich des Gewässermanagements in städtischen Gebieten besonders proaktiv und beschäftigt sich intensiv mit der Möglichkeit, neue Teiche anzulegen. Davon zeugt nicht zuletzt die Auszeichnung mit dem Ramsar-Label «Stadt der Feuchtgebiete» – eine Premiere in der Schweiz und eine grosse Anerkennung für eine Stadt auf dem Weg zur Nachhaltigkeit.


Aurélie Boissezon ist Assistenzprofessorin an der HES-SO Genf. Sie beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit der Ökologie von Süsswasserpflanzen und deren Rolle für das Funktionieren aquatischer Lebensräume.

Adrienne Sordet ist Assistentin an der HES-SO Genf und beteiligt sich an Forschungsprojekten und der Lehre.

Kontakt:
Weitere Informationen: hesge.ch/hepia > conforto

Oertli B, Decrey M, Demierre E, Fahy JC, Gallinelli P, Vasco F, Ilg C (2023) Ornamental ponds as nature-based solutions to implement in cities. Science of The Total Environment 888: 164300. doi.org/10.1016/j.scitotenv.2023.164300.

Vasco F, Perrin JA, Oertli B (2024) Urban pondscape connecting people with nature and biodiversity in a medium-sized European city (Geneva, Switzerland). Urban Ecosystems 27: 1117–1137. doi.org/10.1007/s11252-023-01493-y.

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